Ich bin freier als irgendjemand sonst. Ich bin frei in der Wahl meiner Eltern, die ich will, bei der Wahl des Landes, das ich will und des Alters, das ich will

B. Traven

 

Der Sturz der Münchner Räterepublik endet für die meisten ihrer führenden Mitglieder tragisch. Glück hat der Herausgeber der sozialkritischen Zeitschrift “Ziegelbrenner” und Leiter des Pressebüros des Münchner Revolutionsrates Ret Marut (1882-1969). Zwar wird auch er beim Einmarsch der Weißen Garden verhaftet; ihm gelingt jedoch die Flucht. Seine Spuren verlieren sich. Vergeblich stellt Mitstreiter Erich Mühsam sieben Jahre später die Frage nach dem Verbleib seines Freundes: “Wo ist der Ziegelbrenner? .. Ret Marut, Genosse, Freund, Kampfgefährte, Mensch, melde dich, rege dich, gib ein Zeichen daß du lebst, daß du der Ziegelbrenner geblieben bist...” Doch Marut hat sein altes Leben abgestreift. Er lebt in Mexiko und wird unter dem Pseudonym B. Traven zu einem der bekanntesten Bestsellerautoren der 20er Jahre. In seinem Roman “Das Totenschiff’ (1926) beschreibt Traven die von Ausbeutung und Gewalt geprägte und letztlich tragisch endende Odyssee eines staatenlosen Matrosen. So wie hier scheint der sozialkritische “Ziegelbrenner” aus den Münchner Revolutionstagen auch in den anderen Romanen B.Travens immer wieder durch. Die Verfilmung seines Romans “Der Schatz der Sierra Madre” mit Humphrey Bogart gilt heute als ein Klassiker der Filmgeschichte. Nach dem Motto “Die Biographie eines schöpferischen Menschen ist ganz und gar unwichtig” läßt Traven die Öffentlichkeit bis zu seinem Tode im Unklaren über seine Herkunft. Mit seinen Verlagen korrespondiert er nur auf dem Postweg. Noch in seinem Testament legt er eine falsche Fährte und gibt sich als T.T. Crove aus, geboren im Jahr 1890 in Chikago.

zur Homepage