Dem EDV-Chef zum Fünfzigsten

Meine Damen und Herren, liebe Gäste, lieber Herr Olbrich, im Namen der hier Anwesenden bitte ich Sie um Nachsicht, wenn wir hier und jetzt zwar verspätet, aber dafür umso nachdrücklicher, umso unerbittlicher, an den 14.September 1995 erinnern - Ihren fünfzigsten Geburtstag. Tja, Herr Olbrich, es gibt eben Momente im Leben, denen entkommt man nicht, da kennen auch die Kollegen und Freunde keine Gnade. Besonders wenn die Habenseite der beruflichen und menschlichen Festplatte so dicht beschrieben ist, wie bei Ihnen. Aber was heißt gnadenlos. Schließlich haben wir heute Abend nur eines im Sinn: Sie hochleben zu lassen, Sie für die sicher nicht weniger spannende zweite Lebenshalbzeit moralisch zu laden, um in der Computersprache zu bleiben.

 Auch ich will mein Scherflein dazu beitragen, indem ich platte Lob-Hudeleien in den elektronischen Papierkorb klicke und nur glasklare und beweisbare Fakten auf den Monitor hole. Ich mag vielleicht ein technischer Analphabet sein, aber so viel weiß ich: Nur mit solchen Tatsachen sind EDV-Profis im allgemeinen und Orga-Leiter im speziellen wirklich zu beeindrucken. Da muss man nicht gleich Spock heißen und auf einem Raumschiff namens Enterprise im Orbit umherkurven. Lieber Herr Olbrich, wie gut und insofern auch bequem für mich, dass an diesen beweisbaren Fakten in Ihrer mittlerweile 30 Jahre umfassenden Zwischenbilanz bei der Pierusbank kein Mangel herrscht.

Keine Angst, ich hole jetzt nicht aus zu einer akribischen Biographie. Nur soviel: Die Lehrzeit bei der Hypo verzeihen wir Ihnen. Nein, ich verweile mit dem Cursor lieber auf einer ganz bestimmten Glanzleistung unseres Reinhold Olbrich, die würde man in die Unterverzeichnisse abgleiten, allein schon ein ganzes Arsenal an Disketten füllen würde. Ich spreche von dem atemberaubenden Weg unserer Bank zu einem der in punkto Technik und Organisation führenden Kreditinstitute Deutschlands. Dieser Weg ist mit dem Namen Olbrich ungefähr so eng verbunden wie Microsoft und Gates. Nicht zuletzt Ihre Tatkraft, Ihr Mut und Ihr klaren Blick für die Zukunft machte unser Haus zum bewunderten und beneideten Pionier bei der Bankautomation und dem elektronischen Kundenservice.

Drückt man auf die Memorytaste offenbaren sich eine Fülle von Meilensteinen: unsere Vorreiterrolle bei der Onlinetechnik, der konsequente Weg ins PC-Zeitalter, mit dem sich die Qualität in der Beratung und im Back-Office um ein Vielfaches erhöhte. Leistung und Erfolg legen zwangsläufig die Frage nach dem Rezept nahe. Worin mag das Erfolgsrezept unseres Orga-Chefs wohl bestehen? Von Ihnen selbst werden wir es wohl kaum erfahren, Herr Olbrich. Dafür sind Sie viel zu bescheiden. Taten sind Ihnen allemal lieber als Worte. So habe ich Sie kennen - und schätzen gelernt. Dann werde ich eben ausnahmsweise mal zum Hacker und versuche selbst diesen Code zu knacken.

 Er könnte beispielsweise lauten: “In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.” In diesem Kreis ist ja hinlänglich bekannt, dass unser Jubilar sowohl in der Skibindung als auch auf dem Fahrradsattel und sogar mit einer Sauerstofflasche auf dem Rücken und Flossen an den Füßen eine blendende Figur macht. Natürlich machen wir es uns nicht so einfach mit unserer Analyse.

 Einen weiteren Schlüssel zum Code liefert uns Goethe: “Pflichten erfüllt man am besten, wenn man Sie zu Neigungen macht.” Reinhold Olbrichts Faible für Fragen der EDV und Organisation ist jedem, der ihn näher kennt und Tag für Tag erlebt, ein Begriff. Nicht zufällig verschlug es ihn schon 1966 in die Organisation. Für die Pierusbank war diese logische Fügung des Schicksals ein Glücksfall. Und doch reichen die vorliegenden Information noch nicht aus, um den geheimnisvollen Olbrich-Code zu knacken. Ein weiteres Sprichwort soll uns auf die Sprünge helfen: “Der Mensch ist die beste Medizin des Menschen”. Dass der Urheber des Zitats angeblich Kannibale war, soll uns nicht weiter stören. Aber man muss schon etwas von einem Medizinmann haben, um in der kalten Welt der Bits, Bytes, Organigramme und Hard- und Software die Mitarbeiter, das Team zu begeistern und auch emotional zusammenzuschweißen.

Und das ist wohl die Kunst der Künste einer Führungskraft. Sie, Herr Olbricht, beherrschen diese Kunst aus dem FF. Ganz einfach, weil Sie Ihr großes - nicht nur sportlich getrimmtes - Herz, ungeachtet der immensen Herausforderungen, nie gegen einen Chip eingetauscht haben. Es sitzt nach wie vor am rechten Fleck. Die Berufung zum stellv. Vorstandsmitglied war aus diesen Gründen nur logisch. Mit Ihrer profunden Sachkenntnis, jederzeit ausgewogenen Urteil, und Ihrem visionären Blick bereichern Sie sowohl unsere persönlichen Gespräche als auch die Arbeit des gesamten Managements. Offen gesagt: Mein Optimismus beim Umbau unserer Vertriebsorganisation hätte schon dicke Risse bekommen, wenn ich nicht ein mit aller Software gewaschenes Orga-Team unter Ihrer Leitung hinter mir wüsste. Lieber Herr Olbricht, topaktuelle Themen, wie..........lassen erahnen, dass es Ihnen nicht anders ergehen wird wie einem Michelangelo, einem Leonardo da Vinci oder einem Adenauer. Sie alle lieferten erst in der zweiten Lebenshälfte die besten Kostproben Ihres Könnens.

 Angesichts Ihrer schon stattlichen Zwischenbilanz dürfen wir uns da auf einiges gefasst machen. Ich vertraue von ganzem Herzen darauf, dass Sie und Ihre tolle Mannschaft unsere Bank auch künftig in die vorderste Reihe moderner, innovationsfreudiger Kreditinstitute programmieren. Doch das Morgen kommt schnell genug. Jetzt wird erstmal gefeiert. Ich wünsche Ihnen, lieber Reinhold Olbricht, im Namen meiner Kollegen und persönlich alles Gute zum Fünfzigsten und für die Zukunft Harmonie, Gesundheit und Erfolg sowieso. Ich hebe mein Glas auf das Geburtstagskind. Zum Wohl!

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