Freisprechungsfeier für die Auszubildenden

 

Liebe Gäste, meine lieben jungen, frischgebackenen Bank- und Sparkassenkaufleute,

Träume sind Schäume sagt der Volksmund. Es gibt aber Ausnahmen. Die sind zwar selten im Leben. Es sind Ereignisse, Momente, Lebensstationeen, die kann man an einer Hand abzählen. Kommen sie aber –erhofft oder unverhofft, ersehnt oder eben erträumt, dann sollte man sie feshalten, sie auskosten wie einen edlen Wein. Heut ist so ein Tag. Sie haben mit Können, mit Bi9ss, mit Ausdauer sich einen Traum wahrgemacht. Einen wirklichen Traum – den Traumberuf Bankkaufmann. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Ich heiße Sie shr herzlich in diesen historischen vier Wänden willkommen. Zu Ihrem Fest. Wir wollen diesen einzigartigen Moment in Ihrem Leben auskosten oder – um im Bild des Weines zu bleiben – ihn uns so richtig auf der Zunge zergehen lassen. Nach all der harten Arbeit, des Lernens, der Konzentration ohne Ende. Nach all dem Hoffen und Bangen. Da muss ein Schluck Genuss, etwas Luftholen schon erlaubt sein. Und natürlich eine Prise Witz und Geist. Von letzterem hat uns gerade Professor August Everding schon in seiner unnachahmlichen Weise eine satte Portion auf die Trommelfelle gestreut.

Meine Damen und Herren, es sei ein schöner und gesunder Stand, Banker zu sein, schwärmte schon der Romancier Honore´ de Balzac im vorigen Jahrhundert. Vielleicht schwang in seinen Worten auch etwas Neid mit. Denn der geniale Schriftsteller und verschwenderische Lebemann war zeitlebens knapp bei Kasse. Wie auch immer. Ich stimme ihm jedenfalls voll und ganz zu. Noch mehr: Ich selbst verbinde das Zitat von Balzac mit jedem einzelnen meiner bislang 40 Sparkassenjahre. Auf die Frage nach dem Warum fällt mir eine kurze griffige Antwort allerdings gar nicht zu leicht. Zu gewaltig, zu facettenreich waren und sind meine Eindrücke, Erfahrungen in und mit der Sparkasse. Vielleicht trifft es folgende Beschreibung. Unser Metier ist lebendig wie ein Jahrmarkt, unberechenbar wie eine Dschungelexpedition und prickelnd wie ein Kir Royal. Und für diese Welt haben Sie sich vor 2-3 Jahren entschieden, meine Damen und Herren. Ich bin überzeugt, es war eine gute, eine glänzende Wahl. Und Ihre Freisprechung heute beweist – eine Wahl, die sich für Sie schon heute bezahlt gemacht hat. Und die sich künftig noch weit mehr bezahlt machen wird. Denn unser Metier kennt keine Horizonte. So war es schon immer. Seit dem Mittelalter sind die Sparkassen und Banken das Rückgrat des Handels. Eng verknüpft mit Pioniergeist, Erfindungsreichtum. Auf der ständigen Suche nach neuen Ufern.. Hätten Sie etwa gewusst, dass vor allem die Akrobaten des Geldes, die Fugger, die Medicis, die Vanderbilts und die Rothschilds, die Geschicke unserer Welt beeinflusst haben? Weit mehr als Kaiser und Könige. Heute ist das nicht viel anders. Die Transportmittel unseres Pioniergeistes sind allerdings nicht mehr Dreimaster und Handelskarawane. Heute spricht man von Datenautobahnen, Börsentickern, Internet und Plastikkärtchen aller Art. Allfinanz, Homebanking, Terminbörse und Asset Allocation heißen unsere neuen Ufer. Sie fordern unsere ganze Kraft und Intelligenz. Wie anno dazumal verkörpern diese Begriffe das gewisse Etwas unseres Berufes. Unerschöpflich sind auch Ihre Chancen, das für Sie Machbare und Mögliche. Das heißt aber auch, die Autoren ihrer Karriere in der Sparkasse sind Sie allein. Patenrezepte kann ihnen auf dieser Reise niemand mitgeben. Das ist aber auch ganz gut so. Wie ich Sie hier im Saal so sehe und erlebe, traue ich Ihnen wirklich zu , die Seiten Ihrer beruflichen Zukunft mit einer klaren, unverwechselbaren Handschrift auszufüllen. Was ich aber tun  kann: Ihnen den Mund wässrig machen. Auf Morgen. Wenn es endlich zur Sache geht.  Jetzt können Sie endlich der grauen Theorie des Lernens Ihre ganz persönlichen Farbtupfer der Praxis aufmalen. Sie können zeigen, was Sie drauf haben. Zum Beispiel die ungeheure Befriedigung spüren, wenn Ihr Kunde beeindruckt von Ihrer Beratung. Zweifel oder Ängste mit Blick auf das Morgen sind normal. Das ging mir nicht anders. Aber es gibt eigentlich keinen Grund dafür. Der immer wieder gern strapazierte Ernst des Lebens ist eine Formel der Zauderer und Hasenfüße. So rau ist der Wind auch wieder nicht, der Ihnen ins Gesicht blasen wird.  Es wird eher ein frischer , belebender Wind sein, der einen Geschmack von neuen Horizonten gibt. Davon konnten Sie in Ihrer Ausbildungszeit ja schon eine gute Brise einsaugen. Wir heißen Sie jedenfalls herzlich willkommen, gemeinsam neue Sparkassenkontinente zu entdecken und zu erschließen. Die Sparkassenorganisation freut sich auf Sie.

Freuen Sie sich auch auf die Sparkasse. Freuen Sie sich auf interessante Kundenkontakte, auf Spaß und Arbeit im Kollegenteam. Werden Sie Dienstleister aus Leidenschaft. Denn was gibt es schöneres als den Umgang mit Menschen? Aus unterschiedlichsten Berufen, aus unterschiedlichsten sozialen Schichten. Gewinnen Sie die Menschen. Für sich und für die Sparkasse. Der König Kunde ist eine unverrückbare Konstante unseres beruflichen Denken und Tuns. Lassen Sie sich diese Devise in Fleisch und Blut übergehen.

Denn nur dann, kreuzen wir alle zusammen auf dem richtigen Kurs. Dem Kurs der Gewinner. Dem Kurs der Erfolgreichen. Und auf dem Kurs der Glücklichen. Denn Sympathie im Kontakt mit dem Kunden und auch im Kollegenkreis – das ist die Sonne unseres Berufsalltags. 

Natürlich gibt es noch weitere Eckpfeiler unseres Tuns: Sorgfalt, Vertrauen, Diskretion und korrektes Geschäftsgebaren. Diese Werte sind für uns Sparkassenkaufleute und Banker ein Muss, ein Teil unseres Selbstverständnisses. Schließlich hat uns das Vertrauen der Menschen in uns zur Nummer 1 in Deutschland gemacht.  Mit diesen Utensilien im Gepäck können Sie wirklich guter Dinge nach vorne schauen. Seien Sie sich Ihrer Stärken nur in jeder Minute bewusst. Halten Sie damit nicht hinterm Berg.    

Ihre Stärke

-          das ist zunächst Ihre berufliche Heimat, die größte Finanzgruppe der Republik

-          und das ist Ihre fundierte Ausbildung, auf die sie wirklich bauen können 

Ihre Stärke 

-          das ist nicht zuletzt die Stärke Ihrer Jugend. Noch weitgehend verschont von Denkschablonen, Traditionsbremsen, starren Normen. Wie niemand sonst, sind Sie prädestiniert, etwas zu bewegen, zu gestalten, Gutes noch besser zu machen. Tun Sie es. Seien Sie ruhig neugierig. Nehmen Sie nicht einfach alles so hin. Vertrauen Sie Ihrem gesunden Menschenverstand. Die Errungenschaften der Menschheit – die Dampfmaschine, das Telefon oder die Glühbirne – sind ja auch der Neugier, der ständigen Suche entsprungen. Querdenker, nicht Trittbrettfahrer haben unsere Menschheit nach vorne gebracht. Man muss ja nicht gleich alles Alte und auch Bewährte in den Müll werfen. Augenmaß ein vernünftiges Abwägen und ein ehrlicher Dialog mit Kollegen und Vorgesetzten gehören ebenfalls dazu.  Natürlich werden auch Rückschläge für Sie nicht ausbleiben. Die kommen so sicher wie das Amen in der Kirche. Lassen Sie sich das von einem sagen, der in 40 Sparkassenjahren schon einige Male in das Auge des Taifuns geblickt hat. Da werden Sie mal bei einem Kunden Schiffbruch erleiden, obwohl Sie alle Register Ihres Könnens gezogen haben. Da wird es auch mal Zoff mit Kollegen geben. Aber an der Art und Weise wie Sie mit diesen Tiefs umgehen, wird sich zeigen, von welchem Schrot und Korn Sie sind. Nehmen Sie Rückschläge als Aufputschmittel. Im positiven Sinne.

Meine lieben jungen Bankkaufleute, da erzähl´ ich Ihnen eingangs was von Feiern und edlen Wein, und dann schütte ich Ihnen eine gute Pulle Lebensweisheiten und Ratschläge ins Glas. Ich bitte um Nachsicht. Aber vielleicht konnte ich Ihnen trotzdem Lust auf Ihr künftiges Sparkassenleben machen. Jetzt aber Schluss mit dem Gestern, Schluss mit dem Morgen. Konzentrieren wir uns auf das Heute. Ich freue mich mit Ihnen über Ihre großartige Leistung, über das Bestehen der gewiss nicht leichten Prüfung und gratuliere Ihnen aus ganzem Herzen. Im Namen der oberbayerischen Sparkassen und ganz persönlich. Sie waren alle gut. Ohne Ausnahme. Sonst wären Sie nicht hier. Mir bleibt, Ihnen für Ihre Zukunft nur das Beste zu wünschen. Vor allem dieses berühmte Quentchen Glück, ohne das ja bekanntlich nichts im Leben geht. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

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