Rede zur Personalversammlung

(es spricht der stellv. Vorstandsvorsitzende)

 

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

    Frage: Woran misst man eigentlich Lebensqualität? Spricht man von gleicher Lebensqualität, wenn zwei Menschen im selben Land, in derselben Stadt, dasselbe Einkommen haben? Ist Lebensqualität der Unterschied zwischen Westeuropa und der Dritten Welt? Materielle Dinge allein können den Unterschied wohl nicht ausmachen. Wie könnte es sonst sein, dass sich – befragt nach der Lebenszufriedenheit – viel mehr Ägypter glücklich wähnen als die im Schnitt acht Mal so reichen Deutschen. Oder dass die Selbstmordrate Dänemarks zehn Mal höher ist als im viel ärmlicheren Griechenland. Wie erklären sich diese scheinbaren Widersprüche?

Die Kehrseite unserer hochtechnisierten Welt, unser hochgepriesenen Wohlstandsgesellschaft, ist durch eine zunehmende rationale Kälte gekennzeichnet. Und die Familie als Keimzelle menschlichen sozialen Zusammenlebens, als Garant für Nestwärme und Rückhalt, verliert an Bedeutung. 80 Prozent Singlehaushalte in einer Stadt wie München sprechen eine deutliche Sprache. Haben wir es also mit einem Verlust an immaterieller Lebensqualität zu tun? Ich glaube schon. Gottseidank gibt es noch Ausnahmen. Blicke ich etwa in unsere vier Sparkassenwände, so macht die Lebensqualität, unsere Lebensqualität, durchaus Fortschritte. Trotz Technisierung, trotz Wettbewerb, trotz Zwang zum Wachstum. Heute, in diesem traditionsreichen Gemäuer, zu Ihnen sprechen zu dürfen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ist für mich auch ein Stück Lebensqualität. Wie gewohnt werde ich auch im Namen des Vorstandes ein Schlaglicht auf die aktuelle Situation unseres Hauses werfen. Über die vollbesetzten Stuhlreihen freue ich mich sehr. Schön, dass Sie sich Zeit für unsere Sparkasse nehmen. Meine Damen und Herren, der neue britische Botschafter in Bonn, Sir Nigel Broomfield, ein guter Deutschlandkenner umriss kürzlich den wesentlichen Konstanten seiner Beziehungen zu unserem Land. Er lautet „ There´s a deep love of pessimism in this country“. Dieses Land ist von einer tiefen Liebe zum Pessimismus gekennzeichnet. So unrecht hat er nicht. Blenden wir doch ein gutes Jahr zurück. Der Wirtschaft ging es noch glänzend, die Auftragsbücher waren gut gefüllt. Die Kapazitäten gut ausgelastet. Konjunktur hatten allerdings auch die Schwarzmaler. Der Abstieg vom Konjunkturgipfel war für die meisten Auguren beschlossene Sache. Das Wirtschaftsklima hat sich mittlerweile in der Tat eingetrübt. Die Auguren behielten recht. Man kann allerdings auch sagen: „Wer ewig schwarzmalt, bekommt irgendwann immer recht“. Im Grunde ist es doch nur so, dass die weltweit schon längst eingetretene Rezession nur nachvollzogen wird. Der einigungsbedingte Konsumrausch verzögert diesen Verlauf. Nach 10 Jahren Hochkonjunktur ist das nicht angenehm. Aber auch nicht überraschen. Die Wirtschaft ist nun mal keine Einbahnstraße. Vielmehr eine Abfolge von Zyklen. Schlimm aber ist: Das Spiel mit der Angst wird immer beliebter, treibt farbige Blüten. Das Gerede von der großen Krise, von Messentlassungen, von immensen Solidaropfern wirkt selbstzerstörerisch. Ich will damit sagen, man kann die Krise auch herbeireden.. Ich werde das Wort Krise deshalb heute Abend nicht mehr in den Mund nehmen. Warum auch. Wir blicken auf ein gutes Jahr zurück. Die Geschäftsdaten sind rundum positiv.............

Unterm Strich verblieb ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Und hinter diesem Ergebnis steckt Leistung, enorme Leistung – Ihre persönliche Leistung liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine Arbeitsleistung, ein Engagement, das ich angesichts der beträchtlichen Aufgaben im letzten Jahr ganz hoch ansiedle. Wir vom Vorstand sind stolz auf Sie. Ich danke Ihnen im Namen des Verwaltungsrates, im Namen meiner Vorstandskollegen und persönlich für ein großes Jahr......

Begreifen wir alle Veränderungen , die kommenden Aufgaben, das Umfeld, nicht als Belastung. Vielmehr als Chance. Als Erweiterung des beruflichen und des persönlichen Horizonts. Die Spatzen pfeifen es ja von den Dächern. Die Kreditwirtschaft sieht sich einem nie dagewesenen Kostendruck gegenüber. Gleichzeitig gehen die Margen zurück. Ein Teufelskreis. Er kann natürlich auch Arbeitsplätze gefährden. Nicht von ungefähr macht das Schlagwort von den Banken als der Stahlindustrie der 90er Jahre die Runde. Auch wir leben auf keiner Insel der Seeligen. Wir sind Teil des kreditwirtschaftlichen Spannungsfeldes. Angesagt ist deshalb Agieren statt Reagieren. Der Wirtschaftsmagnat John Paul Getty wusste schon, wovon er sprach: „Man muss handeln, man muss auch Sparmaßnahmen ergreifen, wenn man viel Geld verdient. Sobald man in den roten Zahlen ist, ist es zu spät. Wir müssen deshalb rechtzeitig die Weichen in eine erfolgreiche Zukunft stellen. Rechtzeitig gefährlichen Tendenzen erkennen und Sorge tragen. So wie im letzten Jahr.

Mich stimmt zuversichtlich, dass eine große Mehrheit von Ihnen begreift, worum es geht und mitspielt. Meine Kollegen und ich haben dieses Engagement in zahlreichen Gesprächen mit Ihnen gespürt. Wohl noch nie hatten wir in unserem Hause eine so ausgeprägte Kultur des konstruktiven Dialogs. Auch zunehmend fachübergreifend. Ein gutes Zeichen! Denn Dialog ist eine wichtige Basis der Kreativität. Und auf dieser fußen bekanntlich Fortschritt und Innovation. Dialog schweißt auch zusammen. Sorgt für mehr Vertrauen und Verständnis unter- und füreinander. Wir vom Vorstand spüren Ihren Wunsch, Ihren Willen, sich aktiv in das Unternehmensgeschehen einzubringen. Mit Herz und Verstand.

So gewinnt das tägliche Tun einen Sinn. Womit wir wieder beim Thema Lebensqualität wären. Man findet sie eben nicht nur im privaten Umfeld. Auch und gerade im Beruf. Es wäre ja auch zu schade Tag für Tag 8 Stunden Lebenszeit als reines Äquivalent für die Lohntüre verfallen zu lassen. Verschenkte Lebenszeit. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, diesem neuen Geist im Hause Tür und Tor zu öffnen. Lösen wir noch vorhandene Blockaden auf. Verabschieden wir uns dabei auch von falsch verstandenen Hierarchiedenken. Hierarchie macht durchaus Sinn. Dort, wo sie sachlich-funktionell dem Arbeitsprozess förderlich ist. Nur dort. Hierarchie als Status- oder Machtsymbol hat jedoch ausgedient. Der einzelne Mensch und Mitarbeiter rückt dagegen in den Mittelpunkt. Seine Unverwechselbarkeit, sein individuelles Können. Immer noch schlummern zu viele, nicht gehobene Schätze in uns allen. Schätze, die vielleicht von dem ein oder anderen Vorgesetzten bewusst oder unbewusst übersehen werden. Heben wir diese Schätze. Und schöpfen noch mehr Lebensqualität aus unserem beruflichen Alltag.

Was halten Sie von diesem Vorschlag? Zum Beispiel, indem wir Beziehungen zu Kollegen überprüfen. Halten wir es doch mit Konrad Adenauer, der zu Recht einmal meinte:

„Man muss die Menschen nehmen wie sie sind, andere gibt`s nicht“. Eine intakte Gemeinschaft lebt von Querdenkern, von freier Meinung, von einem regen Kommunikationsfluss, der sich nicht nur in Rundschreiben und Anweisungen erschöpft.

Denn Kommunikation als Einbahnstraße ist keine Kommunikation. Arbeiten wir weiter an einer Kultur der Offenheit, nach oben, nach unten, nach links und nach rechts. Machen Sie vor allem aus Ihrem Herzen keine Mördergrube. Tun Sie dies in dem vollen Bewusstsein, dass Sie für die da oben, also für uns vom Vorstand, in erster Linie Menschen sind. Menschen, die unsere Unternehmensseele ausmachen, Menschen, ohne die unsere Sparkasse tot wie ein Baum ohne Blätter wäre. Und erst in zweiter Linie ein Produktions- und Kostenfaktor.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Mit Blick auf die nächsten Monate gebe ich mit einer kleinen Anleihe bei Mark Twain die Devise aus:

Balsamieren wir bisherige Enttäuschungen in einigen Geschäftsbereichen nicht auf die Ewigkeit ein, sondern verbrennen wir sie. Nehmen wir nur die notwendigen Erkenntnisse mit auf den weiteren Weg, die uns wirklich weiterbringen. Unterliegen Sie nicht der Versuchung, das schwierige Umfeld als Alibi heranzuziehen. Verstehen wir den Gegenwind als Anreiz. Die Zeit des „läuft Butter läuft Käse„ ist vorbei. Jetzt trennt sich der Spreu vom Weizen. Es liegt nur an uns selbst. Die kommende Zeit wird eine Reifeprüfung für die erreichte Lebensqualität sein. Ich danke Ihnen fürs Zuhören und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.

 

 

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