Neujahrsrede

es spricht der Firmenchef

(ein fiktives Redemanuskript)

 

     
     
 

Liebe Kollegen und Mitarbeiter, 

ich heiße Sie herzlich willkommen zu unserem Neujahrsempfang.

Nichts ist lebendiger als die Erinnerung, sagt der Dichter Frederica Garcia Lorca. Besonders wenn sie so frisch ist, möchte man hinzufügen. Man denke nur an den gescheiterten Terroranschlag auf ein Flugzeug in Detroit. Gott sei dank ist unserer Welt diese Katastrophe erspart geblieben. Überhaupt könnte man das Jahr 2009 unter das Motto „Aufatmen“ stellen.

Die Schweinegrippe? War wohl halb so wild. Also „Schwein gehabt“! Und die Finanzkrise? War da was? Irgendwie haben sich da zwar Hunderte von Millarden Euro oder Dollar in Luft aufgelöst. Bekanntlich in Folge unverantwortlicher Spekulationen, die letztlich auf Sand gebaut waren. Oder , um noch ein schönes Bild zu bemühen… die Milliarden sind in schwarze Löcher verschwunden. Aber was heißt verschwunden. Das Geld war plötzlich wieder da. Ganz ohne Zauberei. Aber mit kräftiger Hilfe der internationalen Notenbankpressen. Ergo mit Hilfe des Steuerzahlers. Also mit unserer aller Hilfe. Na ja, sofern  der eigene Arbeitsplatz noch sicher und sogar das Benzin wieder erschwinglich geworden ist, scheint diese Hilfe verkraftbar zu sein. Selbst an der Börse herrscht wieder Partystimmung. Um sagenhafte 60 Prozent hat sich der DAX seit März wieder nach oben gekämpft. War die Finanzkrise wohl nur eine Art Fata Morgana?

Besonders wir Kaufleute wissen, dass dem natürlich nicht so ist. Die Rechnung wird immer irgendwann präsentiert. Sorgen macht mir das kurze Gedächtnis der Menschen. Vor allem das der Persönlichkeiten aus Finanzwirtschaft und Politik, die unsere Geschicke bestimmen. Denn es sieht nicht so aus, dass man aus den Fehlern fruchtbare Lehren zieht. Im Grunde geht es im alten Trott weiter. Schon sprechen Experten von neuen beängstigenden Spekulationsblasen.

Nein, meine Damen und Herren, zum Aufatmen besteht wirklich kein Anlass. Vielmehr ziehe ich ein ernüchterndes Fazit: Die Welt ist offenbar nicht mehr zu tief greifenden Reformen fähig. Zu groß sind die Egoismen, zu kurz reicht der Horizont unserer Staatenlenker. Noch ein Beispiel gefällig? Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Ein Desaster. Auf dem Altar eigener Pfründe und Wirtschaftsinteressen wird unsere Zukunft, die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder geopfert..  Dabei brüllen es die Eisbären von den abbrechenden Eisschollen.  Es könnte, nein, es wird ungemütlich werden auf unserem blauen Planeten. Zumindest in vielen Regionen. Auch vor unserer Haustüre. Es wäre tragisch, wenn uns wirklich nur noch die Flucht in Fatalismus bliebe. Nach dem Motto: Die Welt geht unter? Na, ja, dann wenigstens bei herrlichen Temperaturen.  

Auch in unserem Unternehmen, liebe Kollegen und Mitarbeiter, ist es beileibe noch zu früh, um aufzuatmen. Unsere Kernsparten sind alle nach wie vor von der weltweiten Krise beeinträchtigt.  Einschneidende Maßnahmen waren in 2009 unumgänglich. Den erstmaligen Abbau von Arbeitsplätzen würden andere Unternehmenslenker vielleicht als Erfolg im Kostenmanagement verbuchen. Ich empfinde den Abschied von Mitarbeitern, die sich viele Jahre für unsere Firma engagiert haben, jedoch als schmerzliche Niederlage. Darauf muss man wirklich nicht stolz sein. Denn es sind die Menschen, die unser Unternehmen zu dem gemacht haben, was es heute ist – ein Maschinenbaukonzern von Weltgeltung.

 Dass dies ungeachtet des erheblichen Gegenwindes auch heute noch so ist, liegt an Ihnen. Das ist ihr aller Verdienst. Aus Ihrem großen Engagement und vor allem Ihrer Loyalität schöpfe ich denn auch die Zuversicht für eine wieder bessere Zukunft.

Ich sprach vorher davon, dass sich die Welt nicht mehr fähig zu tief greifenden Reformen zeigt. Nun zumindest in der Welt unser XY AG haben wir gewaltige Reformen auf die Schiene gesetzt. Sie nehmen immer mehr Fahrt auf. Und – das ist das Beste – sie verfehlen nicht ihre positive Wirkung. Denken Sie nur an unsere neue Ablauforganisation. All dies wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht alle an einem Strang gezogen hätten. Herzlichen Dank dafür. 

Meine Damen und Herren, soviel zu 2009. Aus der Vergangenheit kann jeder lernen. Heute kommt es jedoch darauf an, aus der Zukunft zu lernen. Und ich möchte hinzufügen – die Zukunft als Chance zu begreifen. Dazu haben wir allen Grund. Erstklassige Produkte und vor allem – engagierte und kompetente Mitarbeiter.

 

……..   an dieser Stelle auf einige Zukunftsprojekte eingehen. ……. 

 

Sie sehen, es gibt gute Gründe, selbstbewusst die kommenden Aufgaben anzupacken. Jawohl – A N P A C K E N. Denn Zukunft muss man nicht einfach hinnehmen, muss man nicht über sich ergehen lassen. Zukunft ist keineswegs unabänderliches Schicksal. Nein,  Zukunft kann man gestalten. Und genau das werden wir tun. Wir alle zusammen. Und darauf hebe ich mein Glas. 

Ihnen, meinen Damen und Herren, wünsche ich Gesundheit und Glück. Ja, Glück. Denn auch die Insassen der Titanic waren ja gesund. Sie hatten nur kein Glück. Also – Gesundheit U N D  Glück. Zum Wohl!

 

all rights reserved, Manfred Szarka, Dezember 2009

 

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