50 Jahre Hula Hoop

Ein Reifen erobert die Welt

by Manfred Szarka

 
     
 

 

 

 

Schade, dass Richard Knerr das 50-jährige Jubiläum seiner genialen Erfindung oder besser: Geschäftsidee nicht mehr erleben kann. Der Erfinder des Hula Hoop Reifens ist kürzlich verstorben. Wie eine Bombe schlugen die bunten Reifen ein im Jahre 1958. Landauf landab ließen die ohnehin vom Rockn Roll schon tanzgeübten Teenager ihr Hinterteil rotieren, damit sich der Reifen um die Hüfte drehte. Und das war eine echte sportliche Herausforderung – den Reifen möglichst lange kreisen zu lassen. Ich habe es ja selbst oft genug versucht. Damals in den 60er Jahren. Mit mäßigem Erfolg. Der Weltrekord soll ja bei 72 Stunden liegen. So lange hat Kym Coberly aus den USA den Reifen um die Hüfte kreisen lassen. Sagenhaft! 

Mit der Macht eines Wirbelsturmes verbreitete sich der Hula Hoop rund um den Erdball. Und er zählt heute noch zu den meistverkauften Sportgeräten aller Zeiten. Richard Knerr, Inhaber der damaligen Firma Wham-O, hat den Reifen , der die Welt eroberte, eigentlich nicht erfunden. Schon Hippokrates ließ seine Patienten hinter oder neben einem rollenden Reifen herlaufen. Diese Übung sollte für mehr Ausdauer und Geschick sorgen. Holzreifen als Kinderspielzeug waren auch schon im 19. Jahrhundert verbreitet. Ein Australier erzählte Knerr, dass sich die Kinder in seiner Heimat im Sportunterricht Rattanreifen um die Hüften schwingen lassen. Richard Knerr roch Lunte. Immerhin hatte er schon mit der Erfindung der Steinschleuder und der Frisbee Scheibe einen untrüglichen Instinkt bewiesen. Ohne das australische Original zu kennen, ließ er eine Anzahl von Plastikreifen produzieren. Grundschüler aus Pasadena mussten als Versuchskaninchen herhalten. Die Kids waren sofort begeistert. Unter dem Namen Hula Hoop („Hula“ für den hawaiischen Tanz und „Hoop“ für englisch Reifen) brachte Wham-O Anfang 1958 die aus dem leichten und dennoch stabilen Plastik Marlex hergestellten Reifen auf den Markt.

Eine Hysterie erfasste das Land Sage und schreibe 100 Millionen dieser Wunderreifen sollten in diesem Jahr weltweit noch Abnehmer finden. Zwischen 75 Cents und 2.50 $ kosteten die Reifen. Die New York Times nannte den Hula Hoop-Boom die heißeste Mode seit der Begeisterung für Davy Crockett-Mützen. Und die Times berichtete von Menschen, die stundenlang für die begehrte Hula Hoops Schlange standen.

Auf das Musikbusiness hatten die Hula Hoops einen unmittelbaren Einfluss.Die Sängerin Betty Johnson machten den Anfang, konnte für sich den ersten Hula Hoop Song beanspruchen. Bei Atlantic kam die Platte heraus. Unter Hochdruck hatten die Songwriter Charlie Grean und Bov Davie (The Green Door) den Song geschrieben. Allerdings war Georgia Gibbs auf Roulette mit ihrem Hula Hoop Song erfolgreicher. Das lag an ihrer Präsenz im TV. Kurz hintereinander gab sie ihren Song in der Ed Sullivan Show und bei Dick Clark zum Besten. In einem halsbrecherischen Tempo kamen also vier verschiedene Hoop-Songs auf fünf Platten heraus.

 

Natürlich schwappte die Hula Welle auch nach Deutschland über. Connie Froeboess und Danny Man trällerten ihre Erfahrungen mit dem runden Plastikreifen auf schwarze runde Scheiben. Danny  Man machte in ihrem Song unmissverständlich klar, um was es vielen weiblichen Teenagern beim Hoola Hoop eigentlich ging:

 
Am Rio la Plata
am Ganges und am Rhein
werden alle Mädchen bald Hula-Mächen sein.
Denn aus der Südsee kam ein neues Spiel
und wer schlank werden will

Aber nicht nur die Frauen waren gemeint:


Der Doktor
der bei Herrn Direktor Maier war
sagte: "Lieber Maier
ich sehe völlig klar.
Es fehlt die Bewegung
ihr Leiden ist verschleppt.
Darum schreib ich Hula hoop großzügig auf ihr Rezept."