Hochzeitsrede
(der deutsche Vater hält eine Hochzeitsrede in Cordoba/Spanien vor zahlreichen deutschen und spanischen Gästen)
 


Liebe Schwiegertochter, lieber Sohn,
liebe Familie Sanchez,
liebe Freunde aus der Heimat,


zugegeben, in großer festlicher Runde eine Rede zu schwingen, ist nicht ganz neu für mich. In meinen diversen Funktionen hatte ich schon einige Male das Vergnügen.
Und doch betrete ich heute Neuland. Absolutes Neuland. So wie wie einst vor etwa 520 Jahren ein italienischer Seefahrer. Auch dieser kam aus dem Ausland nach Cordoba. Wie ich. Auch dieser musste alle Redetalente aufbieten. Wie ich. Vor Königin Isabella. Allerdings hatte Kolumbus, von dem spreche ich, einen entscheidenden Vorteil. Er konnte recht gut in spanisch parlieren. Und da muss ich leider passen.
Und spätestens hier und jetzt wird mir dieser Mangel schmerzlich bewusst. Also irgendwas habe ich doch in der Schule verpasst.

Aber eines habe ich dem seeligen Kolumbus doch voraus: Ich muss niemanden mehr von irgendetwas überzeugen. Denn ihr beide; liebe Carmen, lieber Peter, Ihr seid so überzeugt voneinander, wie man nur überzeugt sein kann. Ihr habt Euch entschlossen, gemeinsam eine möglichst lange Reise anzutreten. Eine Lebensreise. Gelegenheit diese Reise zu stornieren hätte es mehr als genug gegeben. Auch ohne Reiserücktrittsversicherung. Schließlich kennt Ihr Euch schon Jahre. Hattet Zeit und Muße zu erkunden, ob die Liebe auf dem ersten Blick auch einen zweiten oder dritten Blick standhält. Weder Unterschiede der Nationalität noch die Weite des Atlantik konnten aber letztlich das Band zwischen Euch lösen, das Band namens Amor und Corazon. Sie sehen, ich habe soeben mit meinem Spanischkurs begonnen.

Nun hört man ja hin und wieder, dass Eltern dann besonders weiche Knie und tiefe Sorgenfalten bekommen, wenn das eigene Fleisch und Blut Hochzeitsbande über die Landesgrenzen hinweg knüpft.
Na ja, ist ja vielleicht irgendwie verständlich. Andere Länder, andere Sitten, heißt es ja bei uns in Germania so schön.

Verstehen kann ich diese Ängste zwar. Aber ich teile sie nicht. Ganz im Gegenteil. Aus zwei Gründen:

Der erste Grund bist Du; liebe Carmen. Schwer, sich eine liebenswertere, bezaubernde Schwiegertochter vorzustellen. Peter, Du bist ein Glückspilz!

Der zweite Grund ist eher pragmatischer, gleichwohl nicht zu verachten. Es ist die Chance – für Euch Beide – noch mehr über Kultur und Lebenskreis des Partners zu erfahren und zu verstehen. Ich halte dies für ein ungemein kostbares Geschenk, dass – Ihr werdet es sehen – Euren Horizont beträchtlich erweitern wird.

So wie Kolumbus von Cordoba aus, den Horizont für die Menschheit erweitert hat. Zugegeben, in etwas kleineren Maßstab. Wir wollen ja nicht gleich an diesem Festtag für Euch beide, zu hohe Anforderungen stellen. Aber irgendwie musste ich einfach meinen Redefaden vom Anfang wieder finden. Und der gute Kolumbus musste seinerzeit sicher mehr aushalten, als von meinen Worten malträtiert zu werden.

Ergo: Wir sind schon glücklich und zufrieden, wenn Eure spanisch-deutsche Kooperation der Herzen auf Dauer tiefe Wurzeln schlagen wird. Und dafür wünsche ich Euch aus tiefem Herzen alles erdenklich Gute!

Noch ein Wort zu Dir, lieber Peter. Also eines muss ich Dir lassen. Clever bist Du schon. Als Mediziner ist Dir natürlich die neueste wissenschaftliche Untersuchung der Universität von San Franzisko geläufig. Die hat nämlich bewiesen, dass Männer ohne Frauen schlicht lebensuntauglich sind. Die Rettung für Dich war jedenfalls nie näher wie heute.

Bevor ich jetzt beginne wie einst Don Quichote mit meinen Worten gegen Windmühlen zu kämpfen, sattle ich lieber mein Pferd ab und hebe mein Glas auf das glückliche Brautpaar.

Salute!

 

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