"Man klagt hier durchaus über Kälte und Nässe. Ein Nebel, der für Regen gelten konnte, empfing mich heutefrüh vor München. Den ganzen Tag blies der Wind sehr kalt vom Tyroler Gebirg. Als ich vom Turm dahin sah, fand ich es bedeckt, und den ganzen Himmel überzogen. Nun scheint die Sonne im Untergehen noch an den alten Turm, der mir vor dem Fenster steht ......”

 

 

 

Um 1792 nähert sich Goethes Reisekutsche auf der Freisinger Landstraße dem Schwabinger Tor. Die Paßkontrolle trägt den Namen Jean Philipp Möller, Kaufmann aus Weimar, in das Torbuch ein. Im Gasthof Zum Schwarzen Adler’ gegenüber der Frauenkirche steigt Goethe ab. Er ist auf der Durchreise. Den Dichter zieht es aber nicht nur in das sonnige Italien, sondern auch auf den Turm der Frauenkirche, von dem aus das Fräulein von Ickstatt ein Jahr zuvor in den Freitod ging. Ihr Schicksal rührt sein Herz. Am selben Abend vertraut er seine Münchner Eindrücke dem Tagebuch an. Bereits am nächsten Morgen fährt seine Kutsche durch die Sendlinger Gasse gen Süden. München besucht er nie wieder.