Fiesta in Sevilla

Der Lions-Präsident eröffnet einen Festball

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, verehrte Freunde und Sympathisanten unserer Lions-Vereinigung, liebe Gäste, ich begrüße Sie aufs herzlichste und entbiete Ihnen ganz im Stil unseres heutigen Fest-Ambientes ein kräftiges “Buenas tardez Senioras, Seniorinas und Seniores”. Ein Jahr ist eine lange Zeit, es kann sich über Monate hinziehen. Andererseits: 18 Jahre erscheinen mir rückblickend wie ein Regentropfen im Meer der Zeit. Vor sage und schreibe 18 Jahren entschloss sich der Limburger Lions-Club dazu, ausgerechnet in der vorösterlichen Fastenzeit einen Funken an Lebensfreude im Jahreskalender unserer geliebten Stadt zu entfachen. Der Lions-Ball war geboren. Und aus dem Baby ist ein wahrlich kräftiger Jüngling geworden. Über fehlende Zuneigung und vor allem: über eine ständig anwachsende Gesellschaft kann er sich, über die Jahre betrachtet, beileibe nicht beklagen. Halten Sie mich für einen unverbesserlichen Romantiker oder Optimisten. Wenn ich aber von dieser Stelle aus in den prall gefüllten Saal, in Ihre erwartungsfrohen Gesichter blicke, dann habe ich um mit den Worten unseres Fußball-Nervengottes Andreas Möller zu sprechen “vom Feeling her ein gutes Gefühl”. Hier in unserem Städtchen an der Lahn ist die Welt noch in Ordnung und die Rede von Zusammengehörigkeit und gemeinsamen Fröhlichseins keine leere Floskel. In Zeiten des Internets und der heftig an den kleinen Lebenskreisen zehrenden Globalisierung. Gott sei Dank! Dass wir von den Lions dazu ein kleines Scherflein beitragen konnten und können freut uns, nein noch mehr, es macht uns glücklich. Integrieren, die Suche nach Verständigung über unüberwindlich scheinende Schluchten hinweg, und ein konsequenter Einsatz für mehr Toleranz und Menschlichkeit sind schließlich ureigene Ziele unserer Vereinigung. All diese Dinge werden beispielsweise im ehemaligen Jugoslawien mit Füßen getreten. Einen Katzensprung von unserer Bundesrepublik entfernt. Und wie so oft sind die Kinder die Hauptleidtragenden. Mit dem Reinerlös aus unserer heutigen Tombola wollen wir dazu beitragen, diese Wunde zu heilen. Er soll einem multiethnischen Kindergarten in Sarajewo zugute kommen. Unter seinem Dach beweisen kleine Katholiken, Muslime und orthodoxe Serben wie hirnrissig die von der Erwachsenenwelt gezogenen nationalen Gräben sind. Ein beispielhaftes Projekt! Eines kann ich Ihnen versprechen: Wir haben alle Register gezogen, um Sie in die richtige Geberlaune zu versetzen. Aber was heißt Register. Wir wollen Sie vielmehr entführen in ein Land, in eine Stadt, in der statt Wasser dunkelroter Wein aus den Wasserhähnen fließt. In der das ganze Jahr über die Rosen blühen. Die übersäht ist von großartigen Gärten, Palmen, Oliven und Orangenbäumen, pittoresken Plätzen und kunstvollen maurischen Brunnen. Meine Damen und Herren, ich heiße Sie willkommen zur Fiesta in Sevilla! Sevilla: die andalusische Stadt, überquellend von bunten Farben und exotischen Gerüchen, von Fröhlichkeit und Lebenslust. Die Stadt der Tänzer und Castanietten. Vor 1200 Jahren propagierten die maurischen Herrscher hier Toleranz zwischen den unterschiedlichen Religionen. Womit bewiesen wäre, dass technischer Fortschritt und Industrialisierung wenig mit Fortschritt im Geiste und im Menschsein zu tun haben. Dies als kleiner Nachschlag zum Thema Sarajevo. Sevilla ist, was angesichts der zauberhaften Kulisse unter Spaniens Sonne schon gar nicht mehr verwundert, auch ein fruchtbarer Boden für die Musik und ganz besonders für die Oper. Uns Programmgestaltern kam diese Tatsache natürlich sehr gelegen. Denn Ihnen, liebe Gäste, auf dem Lionsball etwas Außergewöhnliches zu präsentieren, das stachelt nicht erst seit diesem Jahr unseren sportlichen Ehrgeiz an. Heißt: Wir machen wir es uns gewiss nicht einfach. Etwa nach dem Motto: “Wenn der eine Mozart und der andere Beethoven will, dann gibt’s eben Händel.« Nun, auf Händel mussten wir uns diesmal nicht einlassen. Schließlich hat Sevilla einen Giacomo Rossini zu bieten, den Urvater der komischen Oper und den Schöpfer des listigen Barbiers von Sevilla. Der besagte Barbier namens Figaro verhilft bekanntlich einem spanischen Grafen und seiner lieblichen Rosina zu einem Happy End, indem er den tückischen Doctor Bartolo ausmanövriert. Zu einer stimmungsgeladenen und in jeder Hinsicht stilechten Eröffnung unserer Fiesta wird uns gleich unser Überraschungsgast verhelfen: die weit über die Grenzen unserer Stadt bekannte Sopranistin Frau Moreno. Und zwar mit einer Arie aus - sie ahnen es - dem Barbier von Sevilla! Liebe Frau Moreno, ich heiße Sie herzlich willkommen in unserer Mitte und freue mich außerordentlich, dass Sie unsere spanische Fiesta mit Ihrer großartigen Stimme und Persönlichkeit bereichern. Liebe Gäste, ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen. (Und auch etwaigen Kritiken vorbauen, wonach das Alphabet im Vergleich zu meiner Begrüßungsrede wie eine Ode anmutet). Das letzte Wort soll deshalb der selige Giacomo Rossini haben. Er hatte noch im hohen Alter mit einiger Belustigung, den Wirbel um Richard Wagner miterlebt. Seinen Eindruck über den Lohengrin fasste er in dem Satz zusammen: “Ja, er hat schöne Augenblicke - aber böse Viertelstunden!” Meine Damen und Herren, Ihnen wünsche ich heute Abend von ganzem Herzen eine gute Portion wundervoller Augenblicke, erbaulicher Viertelstunden und zauberhafter Stunden. Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an - Frau Moreno die Bühne und das Publikum gehören Ihnen.

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