Begrüßungsrede Kunstausstellung

Sehr geehrte Gäste, 

Grußworte beinhalten für den Vortragenden und die dahinter stehende Institution einerseits ein großes Kompliment, andererseits können sie sich aber auch als knifflige Angelegenheit erweisen. Schließlich kommt man mitunter in die nicht einfache Lage, sich auf das dünne Eis völlig ungewohnter, wir Banker würden sagen - branchenfremder - Inhalte zu begeben. Die Gefahr im Wasser leerer Plattitüden und Grußformeln zu ertrinken ist, also durchaus gegeben. Gottseidank fühle ich heute festes Eis unter meinen Füßen. Es ist für mich sogar ein wahres Vergnügen, hier und heute in Ihrer Mitte zu sein. Und eine große Ehre dazu. Das hat vor allem mit einem ganz persönlichen Empfinden zu tun. Mit Hellabrunn assoziiere ich schöne Erinnerungen. Die Übernahme einer Patenschaft für das Nashorn Nikolaus vor vielen Jahren ist eine davon. Vielleicht spreche ich auch dem einen oder anderen der Anwesenden aus der Seele, wenn ich auch Hellabrunner Sonntags-Sparziergänge im Kreis der Familie erwähne, die immer etwas mehr sind als bloßes Entspannen und Flanieren. Die auch nachdenklich machen und verdeutlichen: Man wandelt hier eigentlich in einer Welt, die im Begriff ist unterzugehen, aufgefressen zu werden vom „Raubtier Mensch“ und seinen Vorstellungen von Zivilisation. Deshalb stand  für unser Haus als Förderer auch nie in Frage, dass die Hellabrunner Welt gehegt und gepflegt werden muss. Eine intakte und weltweit vorbildliche Oase für die vom Aussterben bedrohten Tierwelt. Hellabrunn gilt als einzigartiger „Geo-Zoo“. Seit nun schon 87 Jahren. Eine Erlebnis- und Volksbildungsstätte ersten Ranges. Ja, und natürlich ein wichtiges Stück echter Münchner Lebensqualität.

 

 Meine Damen und Herren, mit diesen Worten taste ich mich zu dem eigentlichen Anlass vor. Und stelle etwas provokativ die Frage: „Welcher Eindruck von der Tierwelt kann eigentlich schöner sein, als der leibhaftige, der authentische - also das Bergschaf, der Papagei, der Leopard in Natura. Die Antwort muss eigentlich lauten: Keiner! Und doch nimmt die Wiener Künstlerin Margit das Wagnis auf sich, mit ihren Tierportraits quasi in Konkurrenz zu den Tiermodellen zu gehen. Es wäre vermessen von mir, in meiner heutigen Funktion und als Banker eine Kunstkritik zum Besten zu geben. Das will und das kann ich nicht.  Erlauben Sie mir nur eine ganz persönliche Meinung. Die Meinung eines kunstinteressierten Laien. Ich finde das Wagnis hat sich gelohnt. In gewisser Weise werden Parallelen zu Franz Marcs Darstellungen der Tierwelt ersichtlich. Auch Marc hauchte den Tieren Gefühle und allzu menschliche Eigenschaften ein. Auch Marc ließ die Welt neu erstehen, gesehen mit den Augen der Tiere. Die Ausstellung „Hellabrunner Tierwelt“ ist deshalb in meinen Augen mehr als Malkunst von hoher Qualität. Margit König vermittelt mit ihren Bildern auch und gerade die Botschaft, in dem Tier Geschöpfe Gottes zu sehen, die ebenso wie wir Menschen lieben, sich ängstigen, Freude empfinden und Geborgenheit suchen.

Andre´ Maurois hat einmal gesagt: „Kunst ist das Bemühen, neben der wirklichen Welt eine menschlichere Welt zu schaffen“. Auf Margit Königs Ausstellung trifft dieses Zitat zweifellos zu. Ich wünsche Ihnen allen viel Vergnügen beim Gang durch eine außergewöhnliche künstlerische Tierwelt. Ich wünsche uns allen aber auch einige nachdenkliche Momente.

 

 

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