850 Jahre München

 
 

Eine gesalzene Geburt

 
     

 

Bis zum Bersten gefüllt war die bayerische Landeshauptstadt zum alljährlichen Stadtgründungsfest am Wochenende 14./15. Juni 2008. Zahlreiche Volkstanzgruppen, historisch gewandete Gestalten, Gaukler, sogar ein Flößergelände und viele Tausend Touristen.

Es gibt ja auch ein besonderes Jubiläum zu feiern. Vor genau 850 Jahren, am 14. Juni 1158, besiegelt Kaiser Barbarossa höchstpersönlich die Münchner Stadtgründung. Oder um es im historischen Jargon zu sagen – den Markt Munichen. Dieser offizielle Stadtgründungsakt geht als Augsburger Schied in die Geschichte ein. Ja, es ist ein Schiedsspruch, der Münchens Geburtsstunde zu Grunde liegt. Ergo – München ist aus einem Streit heraus entstanden.

Und wie so oft im Leben geht es auch damals schon ums liebe Geld. Oder – um es konkret zu sagen – um das weiße Gold des Mittelalters, ums Salz. Neben den bedeutenden Salzlagerstätten Regensburg und Passau gilt das nahe München gelegene Föring im 12. Jahrhundert als wichtiger Handelsplatz und Passage auf einer gen Westen führenden Salzstraße. Und die Hoheit über die Salzgeschäfte hat der Bischof Otto von Freising inne.

Allerdings ist das Markt-, Zoll- und Münzrecht nicht verbrieft. Eine Tatsache, die sich der Welfenherzog Heinrich der Löwe auf rustikale Art und Weise zu Nutze macht. Er lässt die für die Salzpassage unentbehrliche Brücke bei Föring abbrennen. Und weiter südlich, nahe der heutigen Münchner Ludwigsbrücke wieder aufbauen. Soweit die Legende. Pünktlich zum 850. Stadtjubiläum sind jedoch erhebliche Zweifel an dieser Version aufgetaucht. Es gibt letztlich keine Quellen, die einen Brückenbrand um 1158 bezeugen. Erst in einer Kaiserurkunde von 1180 ist von einem Brand die Rede. 

Wie auch immer. Kaiser Barbarossa holt die zwei Streithähne an den Tisch. Ludwig der Löwe erhält den Schlüssel für den einträglichen Salzhandel. Womit der Gründung und dem Aufstieg Münchens der Weg geebnet wird. Und Bischof Otto erhält als Ausgleich die Herzogswürde für Österreich. Barbarossa dürfte ein Stein vom Herzen fallen. Immerhin gibt es zwischen den Beteiligten Familienbande. Und Familienkrach kann er gerade überhaupt nicht gebrauchen. Der Papst und die oberitalienischen Städte machen ihm gerade genug zu schaffen. 

Übrigens, von der offiziellen Stadtgründung einmal abgesehen, geht die Besiedlung des heutigen Münchens viel weiter zurück. Das belegen vorchristliche Funde. Mit großer Sicherheit siedelten sich schon ein paar Jahrhunderte vor Ludwigs gesalzener Machtergreifung Mönche des Klosters Schäftlarn im heutigen Stadtzentrum an. Das erklärt auch mit einiger Sicherheit die Namensgebung „zu den Munichen“ (Mönchen). Eine von Forschern hergestellte Theorie, wonach der Name baskischen Ursprungs sei, hat nur wenige Anhänger. Obwohl sie einigen Charme hätte. Das schöne Baskenland hat durchaus landschaftliche Parallelen mit dem schönen Bayernland, wie ich mich vor zwei Jahren überzeugen konnte. Und ein bayerisches Meer haben wir auch (Chiemsee).

 

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