Zum 60. Geburtstag eines Mitgliedes im Management

(Es spricht ein Kollege)

 

Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender, liebe Kollegen, lieber Günter Roth,

das Allerwichtigste gleich am Anfang: Im Namen unserer Kollegen vom Führungskreis wünsche ich Ihnen alles herzlich Gute zu Ihrem 60. Geburtstag. Sehen Sie uns den einen Tag Verspätung nach. Lieber Günter Roth, offizielle Worte zum Sechzigsten haben ja oft so den Beigeschmack einer vorgezogenen Einweisung ins Seniorenheim. Zwangsläufig. Ich weiß von was ich spreche. Schonungslos werden dem Jubilar üblicherweise Karrierestationen aus vielen Jahren und Jahrzehnten aufgezählt. Auf die Gefahr hin, dass dem “greisen” Sechzigjährigen vielleicht die ein oder andere entschlüpft sei, aus der Erinnerung, ins Reich des Vergessens. Ähnlich ist es mit den angehäuften und gerne zitierten Verdiensten um Vaterland und Firma. Schnell macht sich ein Hauch von Vergänglichkeit breit. Das Gestern triumphiert. Und der Jubilar beginnt noch während der Reden automatisch seinen Puls zu fühlen und nach einem nicht vorhandenen Herzschrittmacher zu tasten. Zum Glück spricht das tatsächliche Leben eine ganz andere Sprache. Ein Beispiel: Vor zwei Wochen füllten Bildern aus dem Olympiastadion die Münchner Gazetten. Tobende Massen. Und auf der Bühne rennt ein schlacksiger, langhaariger Sänger wie ein Derwisch von einem Bühnenende zum anderen. Dass es den Jungen im Publikum nur so die Sprache verschlägt. Sein Name: Mick Jagger. Würde man dessen britischen Pass aufschlagen, würde man auf die Jahreszahl 1943 stoßen. Ihre Jahreszahl, lieber Günter Roth. Dass man auf dem zerfurchten Gesicht von Jaggers Musikerkollegen, Keith Richard, auch ein Sechziger, mittlerweile locker Kartoffeln anpflanzen könnte, ist eine andere Geschichte, die hier nicht weiter vertieft werden muss. Soviel zum Thema Sechzig Jahre “im Allgemeinen”. Und was lernen wir daraus. Auch und gerade Sechzigjährige sind durchaus noch in der Lage, Ihren Mitmenschen zu zeigen, wo der Bartel den Most holt. Zu motivieren. Mitzureißen. Aus einem reichen Erfahrungsschatz zu schöpfen. Diesen vor allem weiterzugeben an die Leistungsträger von morgen. Und übertragen auf die Berufswelt, unsere Welt: Ist es nicht so, dass Fachleute langsam beginnen, den viele Jahre vorherrschenden Jungenwahn oder Verjüngungswahn in Unternehmen mittlerweile mit kritischeren Augen zu sehen und für die erfahrenen Oldies im Unternehmen eine Lanze brechen. So stand es vor zwei Wochen im Handelsblatt geschrieben. Mag sein, dass ich selbst bei diesem Thema etwas parteiisch bin. Aber ist nicht unser Geburtstagskind Günter Roth ein Beweis dafür, wie begründet dieses Umdenken ist. Ein Paradebeispiel für die These, dass ein Sechziger mit ungebrochener Energie, Akribie und Können seine Einheiten, seine Mitarbeiter nach wie vor zu Spitzenleistungen treibt. Und das tun Sie Herr Roth: so wie ich Sie kenne und erlebe, aber auch wie uns allen die Geschäftszahlen Zahlen Monat für Monat schwarz auf weiß vor Augen führen. Unwiderlegbar. Für sich sprechend. Dies verdient für sich allein schon eine gute Portion Respekt und Bewunderung. Wobei ich aber großen Wert darauf lege, Ihr nicht so direkt in Zahlen auszudrückendes Wirken auch und gerade hervorzuheben. In unserem Kreis waren und sind Sie ein ungemein wertvolles Mitglied. Einer, der loyal zu eigenen und gemeinsam erarbeiteten Auffassungen steht, einer der wie kaum ein anderer aus einer Fülle an Information und Wissen das Wesentliche herauszufiltern versteht. Wie die Nadel im Heuhaufen. Einer der die Sachen eben auf den Punkt bringt, wie es so schön heißt. Das habe ich an Ihnen schon immer bewundert. Nun eilt Ihnen ja nicht unbedingt der Ruf voraus, einer zu sein, der seine Mitarbeiter, besonders bei mangelnden Leistungen, tröstend an sein Herz drückt und vielleicht noch eine Hängematte aufspannt. Bestimmt nicht. Die Leistung muss stimmen beim Günter Roth. Sonst stimmt nichts. Und da kann man dem tausendprozentigen Bankprofi aber auch gar nichts vormachen. Mancher hat mit diesem konsequenten Führungsstil schon seine Erfahrungen machen müssen. Umgekehrt weiß ich aber auch, dass hinter der rauen Schale ein sehr weicher Kern steckt. Wer Verständnis verdient, wird dieses Verständnis von ihm auch bekommen. Ein Blick ins chinesische Horoskop unterstreicht jedenfalls meine Worte. Sie sind ja ein Ziege-Mann, Herr Roth. Übrigens eine weitere Parallele zu Mick Jagger. Und in China pfeifen es die Spatzen vom Dach, dass der Ziege-Mann genügend Selbstvertrauen besitzt, um andere zu motivieren und mitzureißen. Als ehrgeiziger und Detailversessener Mensch setzt der Ziege-Mann seine Energie für greifbare Ziele ein. Man darf ihn nur auf keiner dürren Weide anbinden. Dann meckert er nämlich unaufhörlich. Bevor Sie, Liebe Gäste, zu meckern anfangen, komme ich lieber zum Ende. Noch mal herzlichen Glückwunsch Herr Roth. Willkommen im Club der Sechziger. Für Sie und Ihre Familie wünsche ich Ihnen viel Glück und vor allem Gesundheit.

Nachdem Mister Spock, alias Leonard Nimoy, vom Raumschiff Enterprise auch ein Ziege Mann ist, wünsche ich mir, mit Ihnen gemeinsam noch in so manche Sparkassengalaxien vorzustoßen.

 

Und darauf stoße ich jetzt an.

 

 

 

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